Sonntag, 26. Februar 2017

Sie IV

Noch nie zuvor hatte sie so viel Blut gesehen. Sie wollte schreien, doch sie brachte nur einen gequälten Laut hervor. Sie hatte schon lange gewusst, dass Sie existierten, doch sie hatte nie geglaubt je einem von Ihnen zu begegnen - geschweige denn eines seiner Opfer zu sehen - oder das, was noch von ihm übrig war.
Langsam drehte es sich zu ihr um. Es war gesättigt - doch das hieß noch nicht, dass es satt war. Sie zog die Klinge, die sie immer bei sich trug, seit sie von Ihnen erfahren hatte. Sie wusste, sie konnte es töten - doch die Frage war, ob es schon sterben wollte.
~ geschrieben am 11.11.2016

Mittwoch, 22. Februar 2017

Dämon

"Du gibst schon auf?" Ich lag am Boden. Konnte mich nicht bewegen. Wollte mich nicht bewegen. Jeder Zentimeter meines Körpers schmerzte. Er lachte. Dieses widerwärtige Lachen. Ich wusste genau, wie sich seine Mundwinkel in diesem Moment nach oben verzogen und seine Augen zu funkeln begannen. "Ich hab gedacht, du wolltest es so? Ich hab gedacht, du magst es so!" Wieder trat er zu. Ich versuchte mich noch kleiner zu machen, ihm noch weniger Angriffsfläche zu geben. Mich weiter von ihm zu entfernen. - Währen doch nur nicht diese Schmerzen. Hätte ich mich nur mehr angestrengt, mehr gewehrt, widerstand geleistet.
"Bist ... bist du zufrieden?" Ich biss die Zähne zusammen, doch mir stiegen trotzdem die Tränen in die Augen, so sehr schmerzte mein Brustkorb beim reden. Schon nach den ersten paar Schlägen hatte er es geschafft mir mindestens ein Rippe zu brechen und ich schmeckte den eisernen Geschmack des Blutes in meinem Rachen.
"Ob ich zufrieden bin?" Er legte sich die Hand ans Kinn, als würde er wirklich über meine Frage nachdenken. "Natürlich bin ich das. - Doch noch glücklicher wäre ich natürlich, wenn du tot wärst." Er hockte sich hin und beugte sich über mein Gesicht, immer noch dieses hämische Grinsen auf den Lippen. "Aber es wäre zu Schade, dich jetzt schon von deinem jämmerlichen Dasein zu erlösen." Er spuckte mir ins Gesicht. Ich wollte ihm nicht die Genugtuung geben, mir seinen Sabber aus dem Gesicht zu wischen, also blieb ich einfach reglos liegen. Er betrachtete mich noch einige Sekunden, dann stand er auf und kehrte mir den Rücken zu. "So macht das doch keinen Spaß! Du musst schon ein wenig mitmachen, betteln, um dein Leben flehen ..."
"Fick dich."
"Na na na, jetzt aber nicht frech werden." Als er sich wieder zu mir umdrehte, hielt er ein Brecheisen in der Hand. "Ich würde dir ja gerne die Knochen mit meinen eigenen Händen brechen, aber dafür sind mir leider die Finger zu Schade." Er schwang die Stange hinter über seinen Kopf und begann hysterisch zu lachen, als er anfing auf mich einzuschlagen.
~ geschrieben am 04.02.2017

Sonntag, 19. Februar 2017

Sie III

Gestern schien es eine gute Idee gewesen zu sein. "Denkst du wirklich, wir sollten das tun? - Immerhin muss das Haus doch irgendjemandem gehören, auch wenn es immer dunkel ist. - Ich will nicht, dass 'Hausfriendsbruch' in meiner Polizeiakte steht ... Ich hab so schon genügend Probleme ..." Ich blickte zwischen meinen Freunden hin und her. Desmond war damit beschäftigt das Schloss zu knacken, während Liam versuchte in eines der staubigen Fenter des alten Hauses zu blicken.
"Jetzt mach dir nicht in die Hose, Vi. Wir gehen rein, sehen uns um und gehen wieder. - Niemand wird bemerken, dass wir hier waren." Das Schloss öffnete sich mit einem Klicken und die Tür sprang auf. Desmond machte eine ausladende Geste Richtung Hausinneres. "Ladies first!"
Ich zeigte ihm den Mittelfinger und trat als Erste über die Türschwelle. Die beiden Jungen waren mir dich auf den Fersen. Der Dielenboden knarrte, als wir über ihn schritten, immer wieder verfingen sich Spinnenweben in unseren Haaren und wir mussten durch aufwirbelnden Staub husten. - Doch das Haus war leer, bis auf ein paar verlassenen Möbelstücken, die mindestens doppelt so alt waren wie ich selbst.
Wir erkundeten alle Räume, nur der Keller fehlte uns noch. "Wollt ihr da wirklich runter?" Liam war bereits die Hälfte der Stufen hinabgestiegen.
"Was soll schon im Keller sein, wenn das restliche Haus schon so gut wie leer ist?" - Es würde mehr im Keller sein, als wir vermuteten. Und es war lebendig. Liam war der Erste, der schrie. Sein Kopf wurde von seinem restlichen Körper getrennt, noch bevor er die Kellertür vollkommen geöffnet hatte. Desmond versuchte zu fliehen. Ich weiß nicht, ob er es schaffte, denn ich stand wie erfroren auf dem Treppenabsatz und konnte nur zusehen, wie diese leuchtend blauen Augen auf mich zu kamen ...
~ geschrieben am 24.10.2016

Sonntag, 12. Februar 2017

Sie II

"Blute nicht auf meinen Boden."
"Du hast mich angeschossen!" Ich presste meine linke Hand auf die Streifwunde an meinem rechten Oberarm, die mir mein eigentlich bester Freund gerade verpasst hatte.
"Ich hab gedacht, du wärst einer von Ihnen! Was schleichst du dich auch einfach so an." Kurz nachdem er bemerkt hatte, dass ich es war, die er angeschossen hatte, hatte der die Glock zu Boden fallen lassen.
"Schießt du auf jeden, der in dein Haus kommt? - Woher hast du überhaupt die Waffe?" Die Wunde an meinem Arm brannte wie Feuer. Wäre die Situation nicht so abstrus gewesen, hätte ich wahrscheinlich wie am Spieß geschrien.
"Lass mich erst einmal deine Wunde versorgen, sonst ruinierst du noch meinen Teppich ..." Er verließ den Raum und kam kurz darauf mit einem Verbandskasten zurück. - Ich war froh, dass ich heute morgen doch ein T-Shirt anstatt eines Pullovers angezogen hatte, trotz des schlechten Wetters, da ich keine Lust hatte mich jetzt auch noch vor ihm auszuziehen, damit er mich verarzten konnte. "Was machst du hier überhaupt? Wieso hast du mich nicht angerufen?"
Ich biss die Zähne zusammen, als er Desinfektionsmittel auf meine Wunde kippte. "Die Telefonleitungen sind tot und ich wollte wissen, wie es dir geht, nach allem, was passiert ist." Er begann meinen Arm zu verbinden. "Und ich habe mehrmals geklingelt! Du bist nicht an die Tür gegangen! Also hab ich deinen Ersatzschlüssel unter der Türmatte genommen." Er zog den Verband fest und ich verzog das Gesicht vor Schmerz.
"Wieso hast du dich nicht bemerkbar gemacht?"
"Ich hab deinen Namen gerufen, Simon, sogar mehrmals!"
Seine Augen funkelten. "Simon heiße ich also ..."
Ich sprang auf, wollte wegrennen, doch er hielt mich fest. Seine sonst so lieben braunen Augen wechselten zu einem leuchtenden Blauton. Er war einer von Ihnen.
~ geschrieben am 17.10.2016

Mittwoch, 8. Februar 2017

Der Preis

Ein perfektes Leben zu führen war nicht immer einfach für sie. Die Frisur musste perfekt sitzen, die Maskarade in ihrem Gesicht musste perfekt auf ihr Outfit abgestimmt werden. Doch ein Leben im Rampenlicht erforderte nun einmal viel Mühe und Aufmerksamkeit, und die konnte sie nur bekommen, wenn sie perfekt war, ohne Makel - ohne Charakter.
Doch sie hatte sich dieses Leben ausgesucht, darauf hingearbeitet, bis sie ihr großes Ziel erreicht hatte. - Wie viele und was sie dabei hinter sich gelassen hatte, war ihr egal. Ihre Familie hatte sie seit Jahren nicht mehr gesehen, noch nicht einmal auf ihre Anrufe hatte sie reagiert. Für sie zählte nur der Erfolg, und ihre Familie würde sie nur davon ablenken.
Doch heute war ihr großer Tag. Endlich würden sich all ihre Opfer, die sie gegeben hatte, auszahlen. Endlich hatte sie ihr Ziel erreicht.
Als ihr Name aufgerufen wurde, schritt sie stolz und lächelnd die Stufen der bewaltigen Bühne hinauf. Sie winkte, nahm ihren verdienten Preis entgegen, nahm dankend das Mikrophon entgegen und führte es an ihre Lippen.
Doch sie wusste nicht, was sie sagen sollte. Sie hatte niemanden mehr, dem sie danken oder grüßen konnte. Sie hatte niemanden mehr, der sie liebte, so wie sie war, und unterstützte, egal, was auch kam.
Sie war allein. Allein, mit einem Preis, den sie nie würde würdigen können.
~ geschrieben am 23.08.2016

Sonntag, 5. Februar 2017

Sie I

Ich habe Sie gesehen. Sie beobachten dich, wenn du ihnen den Rücken zukehrst. Du spürst Ihren Blick in deinem Nacken, doch sobald du dich umdrehst ist niemand dort, der dich zu bemerken scheint.
Ich weiß nicht, was Sie von uns wollen, wer Sie sind. Ob Sie menschlich sind. Andere, die versucht haben etwas über Sie zu erfahren, verschwanden, tauchten nie wieder auf. Niemand fragte mehr nach ihnen. Sie wurden ausgelöscht, als hätten sie nie existiert. 
Solange niemand davon erfuhr, was ich wusste, war ich sicher.
~ geschrieben am 16.10.2016

Samstag, 4. Februar 2017

Hallo

Herzlichen Willkommen auf meinem Blog - oder was er zumindest einmal sein wird. Mein Name ist Jenny und ich schreibe für mein Leben gern. Ich werde hier unter anderem meine Kurzgeschichten, sowie vielleicht sogar ein paar längere Storys veröffentlichen, die ich geschrieben habe.
Vielleicht werde ich auch ein wenig über mein Leben als Mathestudentin im dritten Semester schreiben oder über Dinge, die mir im Laufe eines Tages oder einer Woche passiert sind. - Dieser Blog wird also ein absoluter work-in-progress sein.
Ich bin nicht wirklich gut darin mit vorzustellen oder mit ersten Worten, weswegen ich es jetzt hierbei fürs erste belasse. - Habt auf jeden Fall noch einen wunderschönen Tag!

XOXO Jenny
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